Tlo abinëis articuli sun arpizedes che vën fates te Gherdëina y ënghe plu dalonc, sibe sun crëp che n dlacia. Cunton de vies nueves y repetizions, de manifestazions y n generel de dut chël che à da n fé cun nosta pascion, l alpinism.

 


POOLDER 2017

 

St. Ulrich, 12. August, früher Nachmittag: Die ersten Athleten erscheinen im Schwimmbad Mar Dolomit. Heute wird sich alles ums Klettern drehen, das Wasser dient nur zum Auffangen; die Kletterer entziehen sich seiner horizontalen Oberfläche, sie tun alles um in der Vertikale zu bleiben. Die Qualifikation ist gut besucht und die Stimmung bereits aufgeheizt, trotz des kalten Wetters. Jeder Kletterer gibt sein Bestes auf 3 Boulder, deren Schwierigkeit der Routenbauer Christian Mantinger zusammen mit Mario Obwegs sehr gut getroffen hat. Die besten Athleten tun sich schnell hervor: Giulia Alton und Elisabeth Lardschneider und Lorenzo Malatesta, Elias Sanin und David Piccolruaz gelangen ins Finale. Am frühen Abend legt DJ Kevin Brook die ersten Platten auf, die geladenen Athleten sind eingetroffen. Die Zuschauer drängen bis an den Beckenrand, Spannung liegt in der Luft, manche holen sich noch ein kühles Bier. Bei der Athleten-Vorstellung wird schnell klar, mit wem man es hier zu tun hat: Italiens beste Boulderer sind angereist, manche haben auch Weltcup-Erfahrung. Und doch wird einer für eine Überraschung sorgen.

Wiederum müssen 3 Boulder geklettert werden, pro Runde scheiden jeweils 2 aus; 6 bzw. 7 Kletterer sind es am Anfang. Am letzten Final-Boulder treten nur noch 3 weibliche und 3 männliche Boulderer gegeneinander an. Claudia Ghisolfi erreicht den TOP souverän im ersten Versuch, Giulia Medici platziert sich mit einem hart erkämpften TOP im zweiten Versuch vor Andrea Ebner.

Lorenzo Malatesta klettert los, an großen aber äußerst abweisenden Griffen zieht er sich elegant hoch, er ist bereits ganz weit oben. Auch der letzte, dynamische Zug gelingt, die Menge tobt. Doch die Favoriten müssen noch klettern, die Kenner fragen sich schon ob dieser letzte Boulder vielleicht zu leicht ist. Stefan Scarperi und Michael Piccolruaz mühen sich jedoch vergeblich ab, auch nach dem dritten Versuch haben sie den TOP nicht erreicht. Lorenzo Malatesta war schon in der Qualifikation aufgefallen, jetzt ist er die Sensation des Abends.

DJ Brook dreht weiter auf, die Wettkampf-Atmosphäre verwandelt sich in eine Party-Atmosphäre, war zuvor noch die Kletterwand Mittelpunkt des Geschehens, sind es jetzt die Bühne und der Ausschank. Die Athleten freuen sich über ein Preisgeld von insgesamt € 2000 und schöne Sachpreise.

Die Band Madax tretet auf, die Fläche vor der Bühne füllt sich mit einem begeisterten Publikum, es wird gespielt, getanzt, gefeiert. Danach übernimmt wieder DJ Kevin Brook, bis tief in die Nacht hinein. Die Kletterwand ist in ein fahles Licht getaucht, vereinzelte führen sich noch einmal die spannendsten Momente des Abends vor Augen.

Alex Walpoth

Pics

Andreas Senoner Photography | Martin Dejori


Piz Bernina - Piz Palü

 

Vom 21. bis 23. August waren Alex und Martin zusammen mit Thomas Gianola aus Bozen im Bernina Gebiet unterwegs.

 

Der Biancograt ist wahrlich eine Himmelsleiter, eine wundervoll geschwungene Linie, wie sie nur der beste Künstler zeichnen würde. Am Abend auf der Tschierva-Hütte bleibt der Grat noch in den Nebelschwaden versteckt. Den Sonnenaufgang erleben wir auf der Fuorcla Prievlusa. Wir sind hier zum Üben, zum Staunen. Der Firngrat könnte noch viel länger sein, das Steigen ist elegant, umgeben von so viel Schönheit. Der Weg vom Piz Bianco zum Piz Bernina ist ausgesetzt und schwierig, die Erstbegeher schafften hier etwas absolut Unmögliches, zumindest nach dem Urteil der umgekehrten Vorgänger. Für uns heute ist es relativ leicht möglich, doch der Gedanke zurück erzeugt Ehrfurcht.

Die Piz Palü-Überschreitung am nächsten Tag ist mehr als eine bloße Zugabe, es ist eine schöne Tour die uns in einem logischen Kreis zurück nach Pontresina bringt.

 


Grand Jorasses Ostwand - Gervasutti

 

Vom 11-13. Juni kletterten Alex Walpoth und Janluca Kostner auf einer der wildesten Alpenwände. 

 

Als wir weit in das Val Ferret hineinfahren und zur Ostwand des Grand Jorasses hinaufsehen, prallen unsere Vorstellung und die Wirklichkeit aufeinander. Wie jedes Mal bin ich fasziniert, wie unser Geist versucht, diese unterschiedlichen Aspekte in Einklang zu bringen. Die Beschreibung „eine der abgelegensten Wände der Alpen“ überträgt sich auf eine weit über uns aufragende Felsformation. Dank der gesammelten Informationen entsteht eine imaginäre Linie auf der Wand, deren entlang wir klettern werden.

Janluca und ich staunen noch eine ganze Zeit lang, sind in Gedanken bereits mitten in der geheimnisvollen Ostwand der Grand Jorasses. Bis dahin ist es jedoch ein langer, anstrengender Weg. Zusätzlich lasten die großen Rucksäcke schwer auf unseren Schultern. Am modernen und architektonisch einzigartigen Gervasutti-Biwak gehen wir vorbei, weil der lange Juni-Tag uns noch viel Licht schenkt, aber leider auch eine zermürbende Hitze. Über den aufgeweichten Frebouze-Gletscher erreichen wir tief spurend den Col des Hirondelles, hier werden wir die Nacht verbringen. Ein kalter Wind frischt auf, Nebelschwaden ziehen über uns hinweg, erst in der tiefen Nacht liegen wir unter einem sternenklaren Himmel, auf kaltem Untergrund.

Im Morgengrauen schlüpfe ich aus dem dünnen Schlafsack und bin erleichtert, mich bewegen zu dürfen. Janluca, der einen Winterschlafsack mitgebracht hat, würde auch noch länger in Ruheposition verweilen. Mit den ersten Sonnenstrahlen prasseln schon die ersten Steine über unsere Einstiegsrampe hinab. Dass der Steinschlag bereits jetzt einsetzt, erschüttert mich und verstärkt die Zweifel, ob es wohl doch zu warm ist. Doch wir meiden die Rampe, indem wir über glatte Granitstrukturen klettern und es kommen auch keine weiteren Steine nach. Ich steige behäbig, unsicher und vertraue nur eingeschränkt den Frontzacken. Im nächsten Stand bemerke ich, dass ich die Steigeisen verkehrt herum angezogen habe, ein gravierender und überhaupt zum ersten Mal passierter Fehler, glücklicherweise ohne Auswirkung. Querend erreichen wir das Y-Couloir, ein charakteristisches, oft schneebedecktes Band im unteren Wanddrittel. Äußerst mühsam arbeiten wir uns zum linken Arm des Y hin, im weichen Schnee sinken wir bis zur Hüfte ein und öfters haben wir das Gefühl, mitsamt den nassen Schneemassen abzurutschen. Wir erkennen nicht, wo unsere Route genau hinaufzieht. Weil wir das weitere Queren im Schnee leid und mittlerweile durchnässt sind, klettere ich über eine brüchige Verschneidung hinauf, alles andere als überzeugt davon, dass wir uns auf der richtigen Route befinden. Ein Karabiner und eine Schlinge, die um eine große Schuppe läuft, weisen mich darauf hin, dass meine Befürchtungen begründet waren. Über uns zieht eine glatte Wand nach oben, eine Verschneidung deutet sich leicht an: Nichts, was ein noch so mutiger und herausragender Alpinist der Vierziger-Jahre, wie Giusto Gervasutti es war, hätte klettern können. Nach einer Abseillänge stehen wir endlich am Anfang der wichtigsten Route des Mythen Gervasutti. Er hatte diese Wand zusammen mit Giuseppe Gagliardone 1942 erstbegangen, es würde seine schwierigste Route werden, auch weil er nur wenige Jahre darauf auf dem nach ihm benannten Gervasutti-Pfeiler den Tod fand.

Die ersten drei Seillängen klettern wir mit den klobigen Bergstiefeln. Ein nasser Überhang ist schwierig zu überwinden, an die Kletterei im Granit mit seinen kantigen Strukturen und glatten Flächen müssen wir uns erst gewöhnen. Janluca legt die Kletterschuhe an und stemmt sich einen breiten Riss hinauf bevor er an einer Quarzader in eine Verschneidung hineinquert. Die Griffe sind nass, der gelegte Friend von zweifelhafter Haltekraft: Janluca spreizt konzentriert auf den abschüssigen Tritt, drückt sich in die Verschneidung hinein und kann endlich einen Haken einhängen. Die folgende Verschneidung ist zwar wunderschön zum Klettern, jedoch rinnt wieder Wasser hinunter. Daran würden wir uns bald gewöhnen, die gesamte weitere Route ist nämlich nass. Die Sonne ist hinter einem Nebelvorhang verschwunden, aufgrund der hohen Temperaturen schmilzt der Schnee, der sich auf den meisten Bändern befindet, trotzdem. Die nächste Seillänge klettert Janluca technisch, die Gedanken an den schönsten Kletterstil rücken in den Hintergrund. Nun lehnt sich die Wand etwas zurück und ich gewinne schnell Klettermeter auf schönen Platten, dann unterbricht eine glatte Wand meinen Kletterfluss. Zwei Haken, zu weit voneinander entfernt um sich daran hochzuziehen, stecken in einem schmalen Riss. Ich schlage einen kurzen Messerhaken dazwischen, steige hoch an, setze einen Friend und zerre mich zu einer Verschneidung hinauf, die wieder frei kletterbar ist. Ein kurzer, aber deutlich überhängender Aufschwung trennt uns noch von der letzten, zum Tronchey-Grat hinaufführenden Rampe. Leider haben wir keine Steigleiter mitgebracht und so wird es ein gänzlich uneleganter Hakentanz mit entkräfteten Armen. Die folgenden zwei Seillängen verlaufen auf angelehnten aber glatten Platten, wir müssen sehr präzise hintreten. Glücklicherweise erzeugt auch der nasse Granit genug Reibung und wir gelangen in leichteres Gelände. Ich muss an Renato Casarotto denken, der auf diesen während seiner Begehung höchstwahrscheinlich vollständig eingeschneiten Platten Undenkbares geleistet haben muss. Er hat 1985 die Gervasutti allein im Winter begangen.

Den Tronchey-Grat erreichen wir spät und ermüdet. Wir bewegen uns an großen Blöcken und schneebedeckten Kämmen entlang, bis wir ganz oben sind, dort wo alle Wände der Grand Jorasses zusammenlaufen, eingehüllt im Nebel der nur kurz aufreißt, als würde der Berg geheimnisvoll bleiben wollen. Das bleibt er genauso wie unser Inneres, das dort oben eine überschwängliche Freude empfindet. 

Der Abstieg im weichem Schnee fordert uns noch einmal heraus, in der Dunkelheit brechen wir immer noch hüfttief ein, doch irgendwie bewegen sich unsere Körper von alleine, auf einer vorgegebenen Bahn in einer angenehmen Leere.  

 

Alex Walpoth 


Mëisulesfels im Rofan

 

Anfang Juni  haben sich Tobia und Martin zwei Tage ins Rofan verirrt

 

Beim Durchblättern des neuen Tirolführers von Michael Meisl inspirieren so einige Sportklettergebiete Tirols... Das Rofangebirge oberhalb des Achensees wird mit wunderschönen Bildern von gut strukturierten Kalkwänden präsentiert. Bald war klar, da muss man mal hin! Tobia sprach auch schon seit Längerem von einem Mehrtagestrip und so waren wir nach einem Tag im Zillertal auf dem Weg nach Maurach. Neben den verstreuten Klettergärten gibt’s zusätzlich Alpintouren in überschaubarer Anzahl. Unsere Wahl fiel für den ersten Tag auf die Rosskopf-Nordwand, eine 350m hohe vertikale Wand aus bestem Kalkgestein. Die Kletterei kommt den Touren des Meisules dala Biesces sehr nahe und lässt somit nichts zum Wünschen übrig. Über Kamine, Risse und glatte Platten schlängelt sich die teils mit Bohrhaken, teils mit Normalhaken abgesicherte Tour nach oben. Über einen Grasrücken gelangt man zum Grat welcher zum Südgipfel führt, wo man eine wunderschöne Aussicht auf die Zillertaler Alpen hat.

Nach einem fantastischen Abend und einer recht windigen Nacht sind wir am zweiten Tag zum Sportklettern an die Edelweißwand und in den Sektor Paradies gegangen. Die Routen sind athletisch und man sollte noch eine gute Portion an Haut an den Fingern haben :D Begeistert und zufrieden ging's am Nachmittag gemütlich mit der Seilbahn runter ins Tal. Eines waren wir uns einig: das war sicherlich nicht der letzte Besuch des Rofaaaans!

 


Via della Collaborazione - Spiz di Lagunaz

 

Kurz vor Jahresende kletterten Titus und Martin eine sehr schöne Route am Spiz di Lagunaz

 

Weihnachtszeit. Familie, Freunde, Feiern und die Zeit genießen. Die Tage vergehen und die Lust etwas zu unternehmen steigt allmählich wieder. Titus ist voll motiviert und kann es auch kaum erwarten eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. Für die Winterzeit ist es relativ warm, es liegt nahezu kein Schnee und Hochdruckeinfluss bestimmt das Wettergeschehen im Alpenraum.

Im Sommer, als wir auf Durchreise in der Valle di San Lucano waren um uns die Wände ein wenig näher anzuschauen, hatten wir einen schönen Pfeiler des Spiz di Lagunaz ins Visier genommen. Eine wunderschöne Linie fiel ins Auge und schon träumten wir von Tagen in der Wand und lauten Hammerschlägen. Zu Hause angekommen, auf der Suche nach Wandbildern der abgelegenen Wand, kam dann die Ernüchterung: vor nicht allzu langer Zeit hat es am besagten Wandteil eine Erstbegehung gegeben, die „Via della Collaborazione“.

Den schönen Gipfel und auch die Tour hatten wir nicht vergessen und nach erfolgloser Suche reizender Alternativen fiel die Entscheidung relativ leicht. Am nächsten Morgen finden wir uns im dichten Wald unter der Terza Pala di San Lucano wieder. Es ist dunkel und man kann nur weit oben die Konturen der Wände erkennen. Einige Steinmänner weisen uns den Weg und nach anstrengenden Graspassagen erreichen wir das Band welches bis unter den Spiz di Lagunaz führt.

Die ausgezeichnete Felsqualität und das atemberaubende Ambiente lassen uns den langen Zustieg vergessen und bald erreichen wir den gelben, ausgesetzten Wandteil. Die Kletterei ist anspruchsvoll und zwingend, obwohl einige Haken stecken. Eine Aneinanderreihung von Rissen ermöglicht es die sonst so glatten Wände dieser Wandflucht zu überwinden. Wir hofften am Ende der elften Seillänge einen passablen Biwakplatz zu finden, jedoch kann man nicht mal zum Sichern bequem stehen. Da schon fast die Dämmerung einsetzt, schauen wir noch schnell die nächsten vier schwierigen Seillängen in Angriff zu nehmen um den Schlafplatz der Erstbegeher zu erreichen. Nach einer letzten Länge in totaler Dunkelheit stellen wir fest, dass auch an dieser Stelle zwei Personen keinen Schlaf finden werden. Während ich mir zwanzig Meter rechts von der Route einen Platz mühevoll ausgrabe, hat Titus die brillante Idee die Äste einer Latsche zu fixieren um so seinen Schlafplatz einzurichten. Nach etwas Warmen zum Essen schlüpft jeder in seinen Schlafsack und versinkt tief in seinen Gedanken.

Am Morgen verfärbt sich die Quarta Pala in einer dunkelroten Farbe. Wir wissen, dass spätestens gegen Mittag die Sonne uns wieder richtig aufwärmen wird. Der zweite Teil der Route verläuft ohne größere Probleme und am frühen Nachmittag stehen wir am höchsten Punkt des Spiz di Lagunaz.

Die Kulisse ist atemberaubend, auf einer Seite die Marmolada mit ihrer glänzenden Plattenflucht, auf der anderen Seite die Cima della Busazza und gegenüber der Gipfel des Agnèr, auf dem wir genau vor einen Jahr standen. Allesamt schöne Erinnerungen, genau wie jene die vom Spiz di Lagunaz bleiben wird.

 

Martin Dejori

 

Giulia grazie a tuo padre che ci è venuto incontro alla Forcella dei Gares e grazie per l’ottima ospitalitá quella sera! :)


Via tl Vënt auf der Vilnösser Rotwand - Ein Abenteuer im Wind

 

An spannenden Momenten in den Bergen erinnert man sich immer gerne zurück, denn im Gedächtnis verbleiben die schönen, bewegenden Augenblicke, jene die von Angst und Bedenken beherrscht waren filtern wir unbewusst heraus.

Titus Prinoth hat seine Gedanken zur im Sommer 2015 erstbegangenen Route "Via tl Vënt" zusammengefasst:

  

Als Alex und ich unsere erste Erstbegehung auf der Vilnösser Rotwand begannen, waren wir noch recht unerfahren in diesem Gebiet. Im Hakenschlagen, eine Kunst für sich, mussten wir noch viele Übungsstunden investieren und Erfahrungen sammeln. Aber das unvergleichliche

Hochgefühl, dass uns Alpinisten vergönnt ist, wenn ein Haken perfekt gesetzt wird und die letzten Millimeter Stahl, die im Fels versenkt werden, hart erarbeitet werden müssen, ist wirklich erfüllend. So wurden wir immer besser und geschickter, wir entwickelten langsam ein Augenmaß, das uns sagte wo welcher Haken passen könnte.

Aber es war erst der Anfang der Sommersaison, der Kalender zeigte erst Juni und deswegen waren wir noch nicht in unserer besten Form. Eine Erstbegehung auf unserem zukünftigen alpinen Spielplatz motivierte uns aber sehr und so gingen wir es langsam an. Pro Versuch machten wir immer nur wenige Seillängen und arbeiteten uns langsam aber sicher voran. Die erste Seillänge beanspruchte Alex für sich. Schmunzelnd dachte ich nach, ob er mich vor einer möglichen Bodenlandung bewahren wollte oder sich als der Ältere verantwortlich für mich fühlte. Möglicherweise auch keines der beiden; wie dem auch sei, unser relativ großer Altersunterschied hindert uns nicht daran immer wieder gemeinsame Abenteuer zu bestreiten.

Wir folgen der logischen und einzig möglichen Linie, immer abwechselnd und wie der Zufall es will, bekommt Alex alle schwierigen Seillängen und ich alle, die man genussvoll klettern kann. Damit sind jene Seillängen gemeint, die nicht allzu schwierig sind aber wunderbaren Fels haben und deswegen wunderschön zu klettern sind. Alex meistert die zwei Schlüsselseillängen mit stählernen Nerven und einer erheblichen Portion Mut. Im wilden und exponierten Gelände arbeitet er sich stets schnell voran. Während ich an den Ständen warte, fällt mir immer wieder auf wie exponiert der von uns gewählte Wandbereich ist. Aber ich bekomme es auch am ganzen Körper zu spüren, denn ein immerwährender Luftzug, ein leichter Wind, lässt mich erzittern und Kälte in meine Glieder eindringen.

Die Route „Via tl Vënt“ heißt so viel wie Route im Wind aber auch hinweg mit dem Wind. Mit der doppelten Bedeutung haben wir uns auf den Verlauf und die Exposition der Route bezogen. Sie verläuft größtenteils auf einem Rücken, wo es oft windig ist. Somit ist die Route wortwörtlich immer im Wind, aber während wir sie kletterten fühlten wir und auch vom Wind weggetragen, hinweg in eine andere

Welt.

Da der Fels meistens sehr kompakt und hakenfeindlich ist, wurden nur die absolut notwendigen Haken geschlagen. Die anspruchsvollen Seillängen sind nur teilweise abgesichert und mobile Sicherungsmittel sind für Wiederholer unabdingbar. Die von uns relativ tief gehaltene Bewertung sollte zu den Bewertungen der anderen Routen auf der Wand passen.


Senteda generela dl GAG

 

Coche uni ann de jené à la Grupa Alpinisć Gherdëina nvià a si senteda generela, per fé n riassunt de i lëures y la jites dl ann 2016 y pensé a nuef proiec. Da nuef ie ënghe unì lità l cunsëi.

 

Per i alpinisć ie l scumenciamënt dl inviern n tëmp per paussé mpue. I crëps ie curì da na pitla brija che lascia deventé l arpizeda sfadieusa, ma per jí cun la peves iel suvënz mpo mo massa puecia nëif. Vel un che à gën l alpinism d’inviern se arpizea sun parëies a nord, adruan plu dis y fajan na fadia stramba, ma chëstes ie aventures che ne te lascia nia l debujën de pie via bele inò l di do.

Na paussa ie for na bona ucajion per pensé de reviers y inant tl daunì. L GAG à fat chësc ai 7 de jené tl local SAUT. Prejënc fova i assesëures al sport Ivan Senoner y Marika Schrott, l prësident di Judacrëp Hubert Moroder, Christian Pescoll prësident dla Nëus Jëuni Gherdëina y sambën ngrum de cumëmbri dla lia y tifosi di crëps. L ann 2016 ie stat rich de atività, uni mëns ie chëi dl GAG muec per na jita, de ansciuda cun la peves y d’instà pona a crëp. Dai alpinisć esperc a tei che fajova si prim vares vertichei univa duc pea. Per l cunsëi ie stat l majer mpëni l ressanamënt

dla Cava, la palestra da jì a crëp plëina de tradizion. Ngrum de ciodi fova vedli plu de trënt’ani y de cunseguënza da ruin. Nscì à l cunsëi baratà ora ben 300 ciodi. Per festejé l gran lëur à l GAG pona metù a jì la manifestazion CAVIMÄNT: na gara per arpizadëures a pèr cun l fin de se devertì. Cun legrëza à l cunsëi prejentà la nueva homepage www.gagherdeina.com che abina adum ngrum de nfurmazions sun vies, jites y deplu. A duc ti va l nvit de ti dé n udleda a chësta bela plata. Un di mumënc plu mpurtanc dla sëira fova canche l ie unì spartì ora dl ciodo dl GAG, na recunescënza per i alpinisć che à fat diesc vies. Chësc ann l à giapà Anna Holzknecht, Daniel Demetz, Manuel Maierhofer, Stephan Fischnaller y Mirko Fill. Ti mbincion che i vede inant for cun legrëza y segurëza a crëp. Daldò ie unì lità da nuef l cunsëi y ai sies „vedli“ che fej

inant iel ruà leprò mo Daniel Demetz, che porta pea na gran motivazion. Tl 2017 nes aspieta inò ngrum de bela jites y vel manifestazion. Sëurampro jirà inant i lëures de ressanamënt ti posć da jì a crëp dut ntëur Gherdëina. Dan finé via la sëira se à mo duc fermà a maië na lasagne y se baraté ora sun ideies y mprescions. A una se foven che l alpinism te Gherdëina à daniëura n bon daunì.

 

Alex Walpoth


"Annetta Stenico" - Innerkoflerturm

 

Anfang Dezember kletterten Martin und Alex die Route Annetta Stenico (VII- und A3, 450m, frei ca. 7b) am Innerkoflerturm.

 

Wir wussten ja, dass die Wettervorhersagen starken Wind meldeten; dennoch zweifeln wir an unserem Vorhaben, als wir frühmorgens auf dem Sellajoch aus dem Auto steigen und der Sturm uns willkommen heißt – oder eben nicht. Es ist Anfang Dezember, nordseitig liegt schon mäßig viel Schnee, der stürmische Wind aus Norden hat in den letzten Tagen die Schneelandschaft geprägt und umgestaltet. Daher wollen wir in der Innerkofler-Südwand klettern, vom Wind geschützt und der Sonne gewärmt.

Wir haben eine gute Entscheidung getroffen. Als die ersten Sonnenstrahlen die gelbe Wand erhellen, wird sie ihrem Übernamen „Rote Flamme“ gerecht: Überhängend, rötlich schimmernd, abweisend und gleichzeitig anziehend schießt die Wand nach oben. Wir klettern die Route „Annetta Stenico“, erstbegangen im Jahr 2005 von Ivo Rabanser und Stefan Comploj. Eine tolle, schwierige Route mit einer ästhetischen Linienführung, den leichtesten Weg im steilsten Wandabschnitt suchend. Obwohl es mit dem ersten Eindruck unmöglich erscheint, ist die Route frei kletterbar und die Schwierigkeiten erstrecken sich bis in den unteren neunten Grad. Der Fels ist manchmal sehr brüchig aber meistens kompakt und reich an Griffen in den unterschiedlichsten Formen. Weit oben, wo die Wand mit einem langen Grat endet, behauptet sich der Winter. Es ist kalt und es erreicht uns nun auch der starke Wind, Schneekristalle wirbeln ins Gesicht, die Augen blinzeln. Der Gipfel ist diesmal nur ein Wegpunkt, die tief am Horizont leuchtende Sonne drängt zum Abstieg. Wir wollen über das Coloir Mystica absteigen, doch der unablässige Wind schießt uns Schnee ins Gesicht, wir können kaum sehen. Wir müssen irgendwo anders absteigen, doch der Sommerabstieg ist tief verschneit. Wir improvisieren und gelangen schließlich ihn eine westseitig ausgerichtete steile Rinne. Die Standplätze sind eingerichtet und nach mehrmaligem Abseilen erreichen wir in der anbrechenden Nacht die Zahnkofelscharte.

 

Unterwegs von der Dunkelheit am Morgen bis zu jener am Abend, diese Tage haben wir am liebsten!

 

Text Alex Walpoth, Fotos Martin Dejori

 


Erstbegehung „L Patat“ – Kleine Fermeda

 

Im Sommer 2016 kletterten Titus und Janluca eine neue, anspruchsvolle Route an der Fermeda-Südwand.

 

Ein Bericht von Titus Prinoth.

 

L Patat – Die Kartoffel, so heißt eine neue Route, die entlang der überhängenden Wände oberhalb der Seceda Alm verläuft. Ja, einmal mehr die Seceda Alm! Vielfältige Gründe lassen mich immer wieder in dieses Gebiet zurückkehren, um neue Abenteuer zu suchen: Das Leuten der Kuhglocken sowie der himmlische Duft nach Heu, geschweige denn die Aussicht; all dies verkürzt die langen Wartezeiten an den Ständen erheblich.

Schon längere Zeit hatte ich diese Linie zwischen der „Mesa Luna“ und der „La Fanzieuta“ gesehen und studiert. Ob es möglich war noch eine Route über die gewaltigen Überhänge, die den Weg zum Gipfel fast versperren, zu klettern war ungewiss. Die ersten Seillängen sind aber eigentlich aus einer spontanen Aktion heraus entstanden. Janluca und ich wollten eigentlich überprüfen, ob „La Fanzieuta“ frei kletterbar sei, doch als wir unter der Route standen entschieden wir uns um, da die von Karl Vinatzer und Simon Oberbacher 1992 erstbegangene Route nass war. Zum Glück hatten wir ein paar Haken mit dabei und konnten es deswegen wagen, die Wand sachte anzugehen. Nach einem trügerischen aber nicht sehr schwierigen Riss gelangte Janluca zu dem „Köpfel“, der uns als Rückzug von der „Fanzieuta“ gedient hatte. Nun ging die Wand in eine vertikale Platte über. Ich bewegte mich zwischen verschiedenen, mannsgroßen Löchern und platzierte ein paar fragwürdige Friends. Nach mehreren Metern, geprägt von Unterbrechungen wo ich immer wieder Löcher von Schutt befreien musste, erreichte ich eine Platte mit zwei Sanduhren. Danach kletterte ich beruhigt weiter bis ich zwei meiner drei mitgebrachten Haken versenken und Janluca mit „Stand“ benachrichtigen konnte. Weiter konnten wir es nicht wagen da es mit nur einem Haken zu riskant gewesen wäre: Wir zogen uns zurück.

Wochen später, als Janluca und ich uns wieder zusammenfanden, musste er den weiteren Verlauf der neuen Route in die Hand nehmen. Janluca hatte noch keine Erstbegehung gemacht und so war ich ein wenig skeptisch, wie er sich in dem jungfräulichen Ambiente behaupten würde. Nach ein paar nützlichen Tipps und mit der ganzen Kampfausrüstung startete er los. Eine glatte Platte trennte ihn von einem eindrucksvollen, überhängenden Riss. Er beging sie mit Bravour, in gewagtem Freikletterstil. Erstaunt sah ich wie er entschlossen und sicher den rettenden Riss erreichte und rasch danach die Stelle wo der Riss sich teilweise schließt und sehr abschüssig wird. Der Fels hat überraschenderweise in diesem Bereich eine sehr rutschige und glatte Oberfläche. Nach mehreren Versuchen und mit Hilfe von ein paar Friends erreichte er einen guten Standplatz. Nun war ich wieder an der Reihe und erkannte, dass die nächste Seillänge kompliziert werden würde. Aber dank meiner „zeppe di legno“, kleine Holzkeile mit denen ich Löcher fülle und anschließend einen Haken hineintreiben kann, war ich zuversichtlich. Nach vier Stunden mit Cliff-Passagen, heiklen Freikletterstellen und so manchen Flüchen erreichte ich erschöpft einen perfekten Standplatz direkt an der Dachkante. Unter mir breitete sich der enorme Überhang der Kleinen Fermeda Südwand aus. Nun ging es noch über leichtes Gelände zum Gipfel wo wir, von dem aus der Kulinarik stammenden Namen unserer Nachbarroute inspiriert, einen sinnlosen aber humorvollen Namen wählten.


Central Pillar of Freney - Mont Blanc

 

Titus, Alex und Martin waren vom 21.-24. August am Mont Blanc unterwegs und konnten dort in zwei wunderbaren Routen klettern.

 

Schon seit Tagen meldet der Wetterdienst eine längere Schönwetterperiode für den gesamten Alpenraum. Wieder mal fällt die Entscheidung wohin es gehen soll nicht leicht. Ein Projekt in den Dolomiten abschließen oder ein Abstecher in die Westalpen?

Schlussendlich ist die Lust nach Granitrissen, Gletschern und schneebedeckten Graten doch größer und so sitzen wir kurz drauf, bei lauter Musik von Zucchero, im Auto. Noch am selben Tag steigen wir am späten Nachmittag zum Eccles Biwak auf und werden auf den letzten Metern von einem wunderbaren Sonnenuntergang begleitet.

Der Zustieg zum Roten Pfeiler gestaltet sich am nächsten Morgen als nicht gerade einfach und so wählen wir die Bonatti-Route, um es am Nachmittag gemütlicher zu haben. Über orange-rote, kompakte Platten, perfekte Risse und Kamine schlängelt sich die Linie geschickt über die steile Wand empor. Wegen der eingerichteten Stände kommen wir sehr schnell voran und genießen jeden Meter der abwechslungsreichen Kletterei. In der warmen Sonne erreichen wir früh den Gipfel und gönnen uns eine Pause, bevor wir wieder über dieselbe Route abseilen. Wasserkochen, etwas essen und einfach nur das gewaltige Ambiente auf sich wirken lassen steht in den späten Nachmittagsstunden auf dem Programm.

Nach einer kurzen Nacht holt uns um halb 3 der Wecker aus den feinen Schlafsäcken. Kurz darauf stapfen wir im Mondlicht Richtung Col Eccles um von dort einmal abzuseilen. Die Verhältnisse sind optimal, das Geröll und lose Steine sind mit gefrorenem Schnee bedeckt und auch das blanke Eis können wir gut umgehen. Noch im Dunkeln startet Titus über die erste Seillänge. Er kommt gut voran und die vielen Seilstücke und Haken weisen ihm den Weg. Kurze Schneefelder wechseln sich mit steilen, auch anspruchsvollen, Felspassagen ab.

Im Mittelteil wird alles ein wenig unübersichtlich und man wundert sich schon hin und wieder, ob man wohl nicht doch von der Originalführe abgekommen ist. Die Kletterei ist keinesfalls banal für die klassischen Schwierigkeitsgrade.

Noch gut kann ich mich daran erinnern, wie wir am Gipfel des Mont Blanc vor drei Jahren rätselten, wie man sich wohl auf dem Freney-Pfeiler fühlen würde, wenn wir schon bei dem vergleichsweise leichten Kuffnergrat den „passo della vacca stanca“ einlegen musste… Glücklicherweise ist alles weniger anstrengend als gedacht und Alex kommt im Vorstieg sehr gut voran.

Die Chandelle ragt ähnlich dem Gran Capucin in den Himmel. In den Schlüsselseillängen stecken viele Haken, man kann jedoch auch gut frei klettern. Der Stand unter der Seillänge mit dem berühmten Kamin ist für Alex und Titus nicht gerade bequem und so ziehe ich mich, um Zeit zu sparen, an allem hoch was mir in den Weg kommt. Immer wieder denke ich an Giorgio, unseren Freund aus Genua, der mich für diesen Kletterstil sicher loben würde!

Der Gipfel der Chandelle ist klein und überall hängen Seile. Man stellt sich die Frage, was andere damit wohl gemacht haben… Nach einem kurzen Abseiler gelangt man in kombiniertes Gelände welches direkt in Richtung Gipfel führt.

Kurz nach fünf Uhr freuen wir uns am höchsten Punkt zu stehen und genießen den atemberaubenden Ausblick. Der lange Abstieg vergeht im Nu und eingebettet zwischen den Lichtern tief unten im Tal und den Sternen am Himmel fallen wir in einen tiefen Schlaf.

Die ersten Sonnenstrahlen lassen uns langsam aus den Schlafsäcken kriechen. Glücklich treten wir den Weg zurück in die überfüllten Straßen von Chamonix an. Das Gefühl wieder unten zu sein fühlt sich angenehm an, vergeht aber so schnell wie es gekommen ist, und man denkt schon wieder an andere Orte wo man solche Abenteuer leben kann.

 


Erstbegehung "Ricordi nebbiosi" - Cima della Busazza

 

Am 02. und 03. August klettern Titus Prinoth, Alex Walpoth, Girogio Travaglia und Martin Dejori  eine neue Route durch die Westwand der Cima della Busazza (2894m). Die 1170 Meter lange Route bewerten sie mit IX- A1.

 

Nach der Erstbegehung der „Via degli Studenti“ durch die faszinierende Nordwestwand der Civetta setzten wir uns mit einem weiteren alpinistischen Problem in dieser Gebirgsgruppe auseinander. Giorgio, unser Kletterpartner und guter Freund aus Genua sprach immer wieder von der Westwand der Cima della Busazza. Zwischen den Routen „Castiglioni“ und „Cassarotto“ befindet sich eine beeindruckende Dächerzone, doch auf den Fotos sah dieser Wandteil eher kurz aus und das Projekt geriet in den Hintergrund. Erst als wir uns heuer mit Fernrohr und Teleobjektiv unter die Busazza begaben keimte wahre Motivation auf: Unten noch anlehnend wird die Westwand nach oben hin immer steiler, um kurz vor der dem Gipfel in einen großen Überhang überzugehen. Die Route würde sehr schwierig werden; die anfängliche Idee direkt über die Dächer hinauszuklettern verwarfen wir angesichts der fehlenden Wandstrukturen, eine verworrene Linie etwas weiter links schien jedoch der Schlüssel zu sein.

Zwei Tage später waren wir mit der gesamten Ausrüstung unter der Wand. In den ersten Längen kamen wir gut voran. In dem brüchigen Gelände traf ein Stein Martin knapp unterhalb der Lippe und verursachte einen tiefen Schnitt, der uns große Sorgen bereitete. Wir überlegten bereits das Abenteuer abzubrechen, aber ein ordentlicher Verband, der Martins Mund fast zuklebte, und die große Motivation ließen uns weitermachen. Bald kehrte die Routine zurück: Der Vorderste eröffnete die Route, der Zweite war fürs Sichern zuständig und die anderen zwei hievten den schweren Sack, der alles Notwendige für 3 Tage in der Wand enthielt, nach oben. Nach einem halben Tag erreichten wir die gelben Überhänge, 300 Meter unter dem Gipfel. Doch die Schwierigkeiten sollten hier erst beginnen. Die erste schwierige Länge, für die ich vier Stunden benötigte, brachte uns mitten ins Gelbe hinein. Der Fels war extrem kompakt und hakenfeindlich. Nur einige Löcher ließen sich mit Holz auffüllen, in welches ich dann jeweils den Haken hineintrieb. Giorgio nahm die nächste Länge in Angriff, die schwierigste, die acht Stunden in Anspruch nahm. An diesem ersten Tag kletterte er nur die erste Platte hinauf, doch es waren entscheidende Meter die er mittels gewagter Freikletterei zurücklegte. Titus und Martin hatten in der Zwischenzeit ein schmales Band gefunden, welches uns eine halbwegs gemütliche Nacht gewährte, mitten in der Wand.

Im Morgengrauen stiegen Giorgio und Titus bereits wieder die Fixseile hoch. In freier und teilweise technischer Kletterei arbeitete sich Giorgio langsam hoch, bis er unter ein brüchiges Dach gelangte, an dem es kein Vorbeikommen mehr gab. Ein paar Meter drunter entdeckte er eine mögliche Querung nach links, doch inzwischen war er müde und froh, dass Martin diese neue Möglichkeit in Angriff nahm. Martin legte einige sehr schwierige Züge in die Horizontale zurück, bis er endlich zwei Friends und zwei Haken unterbrachte, alle von mittlerer Qualität. Dann kletterte er wiederum wichtige Meter nach oben. Es war mittlerweile nach Mittag und wir hatten bloß zwanzig Meter zurückgelegt. Wir sprachen es noch nicht aus, aber eine zweite Nacht in der Wand wurde immer wahrscheinlicher. Ich löste Martin ab und kletterte an kleinen Griffen eine Platte hinauf. Doch da wo wir von unten ein Band vermutet hatten befand sich nur eine glatte Wand. Ich sah keine Möglichkeit, mit traditionellen Mitteln einen Stand zu bauen und setzte schweren Herzens zwei Bohrhaken in mühsamer Arbeit mit dem Handbohrer. Zum Glück sollten es die einzigen bleiben und auch wenn das Setzen von Bohrhaken ethisch unschön ist, hat die Sicherheit für uns Vorrang. Andererseits ist es auch ethisch, das Leben zu schützen…

Titus eröffnete schließlich die befreiende Länge, die uns den Weg zum Gipfel frei machte: Eine riskante Querung, dann zwei schlechte Haken bis er schließlich einen guten unterbringen konnte.

Als wir eine perfekte und beeindruckende Verschneidung hochkletterten, die wir bereits von unten als Schlüssel zur Überwindung der letzten Überhänge entdeckt hatten, brach die Nacht über uns herein. Es umfing uns eine angenehme Ruhe. Wir entschieden, dass wir nun bis zum Gipfel klettern würden. Kurz vor Mitternacht waren wir ganz oben, in einem wunderbaren innerlichen Zustand von Zufriedenheit und Müdigkeit. Wir schliefen direkt auf dem Gipfel, bis uns die ersten Sonnenstrahlen weckten.

Bevor wir nach Hause fuhren besuchten wir noch Paola und Valter in der Tissi-Hütte, wo wir für unsere Erstbegehung den Namen „Ricordi nebbiosi“ fanden, um uns an die zwei Tagen in der Wand erinnern, von Nebel umhüllt und auf den reinen, intensiven Augenblick bedacht.

 

 


Ein glücklicher Augenblick – Zwei neue extrem lange Sportklettertouren am Traumpfeiler

 

Schon im Sommer 2012 hatten Martin Dejori und Alex Walpoth am linken Rand des Traumpfeilers zwei neue, 65 Meter lange Routen eingebohrt. Am 01.11.2015 durchkletterte Alex "Ananda" und zwei Tage später schaffte Martin "Momentum".  Als Bewertungsvorschlag geben die beiden 8b respektive 7c+ ab. Natürlich sind wir gespannt, wer sich die erste Wiederholung dieser ewig langen und schönen Routen holen wird. Im folgenden Text geht Alex näher auf die Enstehung von "Ananda" und "Momentum" ein.

 

Der Traumpfeiler hat unsere Entwicklung als Kletterer zu einem nicht unerheblichen Teil geprägt. Die bis zu 150 Meter hohe Plattenflucht schreckte uns in ganz jungen Jahren ab. Wir waren Überhänge und Wettkämpfe gewohnt, Klettern bedeutete Aufwand von Kraft und Ausdauer. Erst in den folgenden Jahren endeckten wir den Traumpfeiler für uns und erfuhren, dass Klettern sich auch leicht und elegant anfühlen kann, dass Technik und Stil über der reinen Kraft stehen. Die Kletterei auf diesen grauen Platten kann zu einem vertikalen Tanz werden, doch schon ein übersehener Tritt kann diese Harmonie der Bewegungen wieder zerstören. 

Die anfangs hart anmutenden Bewertungen hielten uns nicht davon ab, dieses weite Plattenmeer genau zu erkunden. Schon bald erkannten wir, dass der Traumpfeiler in seinem linken Bereich noch Geheimnisse bewahrte. Dort enden die grauen Platten mit einer Kante und gehen in eine gelbe Wand über. Diese ist zwar nur fünfzehn Meter breit, zieht aber kontinuierlich senkrecht oder leicht überhängend 65 Meter himmelwärts. Nur die ältere Route „Sëch o nia“ geht diese Wandpartie an, jedoch nicht einmal bis zur Hälfte. 

Wir kletterten 5 Seillängen des klassischen „Traumschiffes“ mit Bohrmaschine und Bohrhaken im Rucksack, weichten oben nach links aus und erreichten das obere Ende der gelben, unerforschten Wand. Als wir zwei Stände gebohrt hatten, hatten die zwei neuen Routen schon einmal ein Ende. Dass der Weg dorthin allerdings unfassbar lang werden sollte, wurde uns beim Abseilen und gleichzeitigem Anbringen der Spit bewusst. Mehrere Nachmittage waren notwendig, bis alles eingebohrt war.

Nun konnten wir mit den ersten zaghaften Versuchen beginnen, doch selten kamen wir über die ersten dreißig Meter hinüber. Die Kletterei bot sich spektakulär dar: Die Griffe sind klein und nur durch knifflige Bewegungen zu einem kletterbaren Weg verbindbar. Der Sommer 2012 ging vorüber, und auch jener 2013 und 2014, ohne dass wir ernsthaft versuchten, die 65 Meter durchzusteigen. Wir investierten die ganze Zeit ins Alpinklettern, durch Vernachlässigen des Sportkletterns fehlte das notwendige Training. Erst gegen Ende des Sommers 2015 griffen wird wieder die zwei Projekte mit großem Enthusiasmus auf. Martin konzentrierte sich auf die linke Route und ich auf die rechte. Meine Route stellte sich als schwieriger heraus und ich wendete viel Zeit auf um die vielen Bewegungen einzustudieren. Den ersten Teil kannte ich perfekt, im Gegensatz zum zweiten: Nur selten war ich bis ganz oben geklettert: Dort oben schaut der Sicherer nur noch ganz klein aus und man fühlt sich allein mit dem Felsen. Dass ich die Route an Allerheiligen klettern konnte, verdanke ich vor allem sehr guten Freunden, die mich mit viel Geduld bei meinen Versuchen sicherten. Die Rotpunktbegehung musste ich mir bis zum Schluss erkämpfen, vor allem die psychische Belastung wurde nach oben hin immer größer: Es war hilfreich, sich nur auf die nächsten Züge zu konzentrieren statt sich die Route in ihrer ganzen Länge vorzustellen. „Ananda“, Glück bedeutend, verspürte ich als die Reise beendet war. 8b schlage ich als Bewertung vor.

Martin hatte seine Route teilweise alleine einstudiert, einmal hatte ich ihn gesichert, dabei stürzte er ein paarmal ziemlich weit. Auch für ihn bestand die Herausforderung darin, auf dieser langen Route nicht die Nerven zu verlieren. Zusätzlich müssen einige schwere Züge weit über dem letzten Bohrhaken geklettert werden. Martins Durchstieg wurde zum vertikalen Tanz und für ihn zu einem perfekten Moment, daher der Name „Momentum“, 7c+.

 


Traumpfeiler Video

 

La sajon de jì a crëp sun l Traumpfeiler à inò scumencià... ce gola!


Chamonix – Les Droites & Mont Dolent 21- 24.03.2016

de Martin Dejori

 

L ena de pasca ie Aaron y Martin stai a Chamonix per n valgun dis

 

Tosc an deciso de fè zech ntëur al dlacier de Argentiere y nscila sons mo l prim di piei su cun la telepferique des Grandes Montets per po durmi tl rifugio Argentiere che ie sota i biei parëis dl Agiuille Verte, Les Courtes y Les Droites.

La via “Lagarde direct” sun l parëi nord de Les Droites nes a bel snel ispirà. La ie na linea de dlacia da 1000 m de deslivel che porta su sun la piza centrela a 4001 metri.

Do na nuet curta sons piei via cun luna colma - n spetacul se muever tla dumbries de chisc crëps fac de sas, neif y dlacia! La fova longia ma tosc fans sun piza per goder l surëdl y la beliscima vista de viers dl Monte Bianco y Grandes Jorasses. Do n valguna calates pudan mo fe de beliscima raides cui ski nchin ju tl zënter de Chamonix.

Do chësc di foi ie purtruep amala tl liet y nscila iel stat saurì che Aaron pudoa mo fe na bela tour cun Philipp y Thomas de Bulsan. Ei à mo fat la nord dl Mont Dolent, na piza estetica che ie sun l cunfin dla Talia, Francia y la Schweiz. Coche n veij sun la fotos ie enghe chësc giro stat davëira figo!

Sën che n ie a cesa a scrÌ chësta trei risses piessun l plu gën inò via duman…:)


Türkei - Unterwegs im Kaçkar Gebirge 2016

von Martin Dejori

 

Ende Februar bin ich zusammen mit den "Jungen Alpinisten" ins Kaçkar Gebirge in den Nordosten der Türkei gereist. Hier ein kurzer Bericht und einige Bilder vom unvergesslichen Abenteuer...

 

Von München sind wir über Istanbul nach Erzurum geflogen um von dort aus 4 Stunden mit einem Kleinbus nach Olgunlar zu fahren. Olgunlar ist ein kleines Dorf im Herzen der Gebirgskette nahe dem Schwarzen Meer und unser Ausgangspunkt für die nächsten Tourentage.

Eines war uns gleich klar: hier werden wir eine Menge Spaß haben! Nach zwei super Skitouren zum Auskundschaften und Eingewöhnen, haben wir am dritten Tag am Talschluss unser Basecamp eingerichtet. Von dort konnten wir die drei Hauptgipfel die mich ans Dreigestirn des Ortlergebirges erinnerten in Angriff nehmen. Bei strahlend blauem Himmel erreichten wir den Kaçkar Daği mit seinen 3932 m; was für ein super Gefühl weit und breit keine Menschenseele zu sehen und den Ausblick auf die einsamen Berge zu genießen... Die Abfahrt über Firnhänge und Pulverschnee zurück zu unseren Zelten zauberte ein Lächeln auf all unsere Gesichter. Man konnte nicht genug davon bekommen!

Als es am vierten Tag wieder Zeit war zusammenzupacken, hatte man sich gerade erst an das Leben im Zelt gewöhnt. Nach Sonnenuntergang in den warmen Schlafsack schlüpfen, ein Buch lesen, was essen und abends im Essenszelt zusammensitzen war super und man wollte eigentlich gar nicht zurück ins Dorf. Spätestens jedoch im warmen, gemütlichen Aufenthaltsraum der Pension waren alle wieder froh zurück zu sein und man freute sich noch auf die verbleibenden 2 Tourentage, die jedoch schnell vergingen.

Abschließend haben wir eine Nacht in Istanbul verbracht und uns die spannende Stadt angeschaut. Auch wenn man in den Medien immer wieder mal was über Probleme in der Türkei hört, habe ich davon nichts gemerkt und muss sagen, dass ich von den Leuten und dem Land positiv überrascht bin!

Danke an alle die dabei waren für diese zwei tollen Wochen! :)

 


"Frëit dl mond" - Nuova via di misto nel massiccio del Sella 16.02.2016

di Aaron Moroder

 

Il 16.02.2016 Aaron Moroder e Alex Walpoth hanno aperto una nuova via di misto nel massiccio del Sella. Si trova su una delle numerosi pareti che delimitano la Val Lasties sulla sinistra, circa 400 metri prima della classica cascata "Cassiopeo". Offre arrampicata interessante su roccia e ghiaccio. I primi salitori hanno usato Friends di varie misure, viti da ghiaccio e due chiodi per la prima sosta (tolti). Con due doppie si ridiscende all'attacco della via.

 

Il freddo è solo un'illusione

"Occhio Aaron", mi dice Alex dall’alto. Tengo le corde più strette e fisso i suoi movimenti. Uno strapiombo lo separa da una bella fessura, dove potrebbe attrezzare una sosta. Il vento gelido non ci ha soltanto rubato il calore del corpo, ma ha anche coperto tutte le prese con una neve polverosa che rende gli appigli scivolosi appena ci si aggrappa. Un'altra volta Alex prova a superare quest’ostacolo: appoggia in modo preciso il rampone su una tacchetta alta, si tira su e velocemente raggiunge le prese più in alto che gli permettono di superare lo strapiombo. Nuovamente sono impressionato dalle sue capacità. La precisione e la sua tecnica di scalata sono ottime e danno l’impressione di grande sicurezza anche su passaggi delicati.

In un certo modo speravo che non riuscisse a raggiungere la sosta, le temperature basse e il vento forte mi hanno raffreddato. Stavo giocando con la possibilità di calarci alla base della parete e ritornare alla macchina invece di dover affrontare il muro di roccia sopra di noi tramite il quale speravamo di raggiungere una candela di ghiaccio sospesa nel vuoto. Ma non vi era alcun motivo reale per non continuare e appena ho iniziato a scalare la motivazione è ritornata nella mia mente, come il calore nei miei arti. Raggiunta la sosta mi sono organizzato l’attrezzatura sull’imbrago e ho iniziato a risalire una fessura strapiombante. Anche se l’arrampicata su roccia, con scarpette e temperature più alte è molto più elegante, in quel momento l’arrampicata su terreno misto mi sembrava molto più eccitante. Noi preferiamo scalare sempre con la tecnica che è più facile sul singolo movimento. Questo risulta in un miscuglio, dove scagliamo gran parte a mani nude e con i ramponi, ma ogni tanto usiamo anche una piccozza con una mano, dipende da passaggio a passaggio.

Anche in questo tiro la neve copriva tante prese e erano da usare con attenzione. Dopo la fessura ho traversato verso destra e trovato una clessidra solida che fungeva come sosta perfetta per affrontare il prossimo tiro che ci avrebbe portato sul ghiaccio. Il passaggio sulla candela era estenuante e delicato ma ci ha portato alla sommità della nostra via.

Ci siamo strinti la mano e guardati attorno. Non ci è restato altro che scendere, abbiamo raggiunto la nostra meta. Con due doppie siamo ritornati ai nostri zaini e i nostri occhi hanno ripercorso la linea scalata. Tutti i miei dubbi e le incertezze che avevo si sono trasformati in ricordi: passaggi delicati, prese decisive o protezioni utili. Sotto il sole serale ci siamo incamminati verso il parcheggio. Il sollievo e la gioia di aver trascorso questa giornata ci fa già pensare a una prossima meta perché per noi raggiungere una cima non è solo soddisfacente ma anche un incentivo per nuove sfide.


La storia infinita - Agner Nord - 29-30 dicembre 2016

di Martin Dejori

 

Prima ripetizione della via dei fratelli Coubal aperta nel 1990, insieme a Titus

 

In attesa dell’inverno, normalmente ci si abitua alle giornate grigie, aspettando che l’acqua dell’estate si ghiacci e la neve ricopra i prati autunnali. Intanto la stagione fredda è iniziata, ma sci e piccozze sono ancora al loro posto, solamente le scarpette da arrampicata sono in uso continuo. Si avvicina la fine dell'anno e la voglia di intraprendere una via in roccia non è ancora passata.

Ci incontriamo domenica sera per decidere cosa fare nei prossimi giorni, ma come spesso accade, si rimanda tutto al giorno successivo… La mattina seguente, finalmente tutto è deciso e poco dopo siamo già in macchina, destinazione Valle San Lucano, Agnèr. Tre giornate in parete dovrebbero bastare per poter nuovamente essere di ritorno a casa, in tempo per festeggiare il Capodanno con relativo cenone e abbuffata di rito!

Con grande rispetto ci avviciniamo alla parete immensa, immaginandoci il tiro più difficile del quale un paio di giorni prima ho letto che lo si protegge con degli cordini intorno a spuntoni scavati dall’acqua. Fortunatamente oggi acqua non c'é; tutto è perfettamente asciutto. Non come d’estate, quando eravamo tornati a casa vedendo la colata nera poco sotto alla cima.

Sotto le stelle partiamo presto dal bivacco Cozzolino. Godiamo il silenzio del posto selvaggio e aspettiamo la prima luce per non sbagliare i tiri iniziali. Subito tutto va via liscio, i tiri risultano meno difficili di quello che ci aspettavamo e la scalata è di grande piacere. Presto raggiungiamo la parte centrale meno ripida e un pensiero di salire in giornata si fa strada nella nostra mente. Giunti sotto alle difficoltà, non sappiamo esattamente dove salire; il tempo vola e così non ci resta altro che bivaccare sotto il muro giallo. È un po’ stretto, ma stiamo bene. Dopo aver gustato la polenta non salata cadiamo in un sonno profondo.

Il giorno dopo tocca a Titus partire. Traversa a destra, raggiungendo l’unico posto dove sembra essere possibile passare. Anche se il freddo si fa sentire sale con bravura una placca ripida che dovrebbe essere il tiro chiave. Mette qualche friend e prova a immaginare quali fossero stati gli spuntoni utilizzati dai Coubal. Trova dei chiodi che segnano la via e con un altro tiro usciamo dalla placconata grigia.

Ancora qualche lunghezza facile con tratti nevosi e ci troviamo sul punto più alto di questa montagna di rara bellezza. Spesso ho ammirato la cima che assomiglia a una piramide di neve, pensando alle vie che portano su di lì. Oggi posso ammirare le montagne che circondano l’Agnèr e intanto sognare di nuove vie da fare il prossimo anno...

 


Ruhe, wo immer du bist - Eine Erstbegehung und eine Begegnung - Herbst 2015

von Alex Walpoth

 

Im Herbst 2015 gelang mir  zusammen mit Titus unsere zweite Erstbehung an der Villnösser Rotwand. Wir widmeten sie Alex Pfattner.

 

„Ja, Ruhe. Die Ruhe hat ihn immer geprägt, wo immer er war.“, erinnert sich Kurt, Alex‘ Vater. Doch auch wo Alex jetzt ist herrscht Ruhe, sowohl diejenige, die von ihm ausgeht als auch jene Ruhe, die seinem Ort des Daseins selber innewohnt.

 

Ruhe, wo immer du (Alex) bist.

 

Damit haben Titus und ich, gemeinsam mit Kurt, einen Namen für unsere neue Route gefunden. Und damit fängt unsere Geschichte an, mit ihrem Abschluss eigentlich; Denn in diesem Zusammenhang ist es besser vom Ende als einem Neuanfang zu sprechen. Darüber hinaus haben wir auch keine Gewissheit, dass manche Dinge wirklich nicht umgekehrt sind.

 

Im Oktober dieses Jahres (2015) kletterten wir die neue Route an der Villnösser Rotwand in der Geislergruppe zu Ende, womit Vieles erst seinen Anfang nahm: Die Freude, das Nachdenken über den Namen, den Sinn, die nächsten Ziele. Das Bewusstsein, Klettern zu dürfen.

 

Im September hatten wir die Route schon einmal bis zum Gipfel geklettert aber waren dabei mit ihrem Verlauf in den letzten zwei Seillängen nicht zufrieden, weil wir in  die benachbarte „Franz Runggaldier“ hinüber gelangt waren. Deshalb kletterten wir noch einmal die unteren Längen. Bereits zum vierten Mal. Wieder waren alle Seillängen ein bisschen anders als wie wir sie noch im Kopf hatten. Aber in so lebendiger Erinnerung geblieben, dass man mit geschlossenen Augen und einiger Konzentration das Gefühl hat, dort zu sein, sind sie uns nur durch das erste Mal, dass wir sie jeweils geklettert sind. Nur beim Erstbegehen sind Geist und Körper so intensiv gefordert, dass die willentlich durchgeführten Bewegungen, die wahrgenommenen Gefühle und die unbewussten Handlungen zu einem vollkommenen Erlebnis verschmelzen uns sich in tausenden Bildern im Kopf festsetzen.

 

Da ist die erste Seillänge, eine schöne und anstrengende Verschneidung, an deren Ende ich lange keinen Stand finde bis ich mich endlich zwei Friends anvertraue. Jetzt die zweite Seillänge, Titus Meisterleistung, wo er wieder eindrücklich beweist, dass er beim Erstbegehen unendliche Motivation besitzt. Nur wenige Tage zuvor hat er einen Weg durch die „Fogna Prinoth“ (im Rahmen der Erstbegehung der „Via degli Studenti“ an der Civetta-Nordwestwand) gefunden, jetzt bewegt er sich schon wieder in brüchigem und sehr nassem Felsen, wohl sein Lieblingsgelände. Titus klettert nicht elegant, doch kreativ. Können wir diese nassen Dächer auch frei klettern? Wir werden es auf jeden Fall noch versuchen. Nun aber blicken wir die nächste Seillänge hinauf: Ein kontinuierlicher, überhängender Riss. Er gibt mir die Gewissheit zurück, dass die Route nicht nur schwierig sondern auch schön werden kann. Jetzt klettert wieder Titus weiter, einer Serie von Kaminen und Rissen folgend, ganz in seinem Element. Dann verstehen wir die Wand falsch und erreichen den Gipfel über die „Runggaldier“-Führe. Wir sind nicht zufrieden aber entschlossen noch einmal anzufangen um eine selbstständige Linie bis ganz oben zu klettern.

 

Zwei Tage später stirbt Alex Pfattner infolge eines Sturzes von der Furchetta, dem faszinierendsten Gipfel der Geislergruppe. Eine Woche lang kämpfte er im Krankenhaus.

 

Einen Monat später, an einem sehr kalten  Oktobertag, stehen wir wieder oben, wo die überhängende Villnösser Rotwand in nahezu spitzen Winkel in eine wunderbare Wiese übergeht. Jetzt können wir die Route Alex widmen und beginnen nachzudenken. In Ruhe.

 


Eiger Nordwand - Heckmaier - 22.04.2015

von Aaron Moroder

 

Eiger Nordwand, die Wand der Wände! So viel habe ich über sie gelesen und gehört, doch hat sie mich eigentlich als alpinistisches Ziel nie wirklich gereizt. Was die Wand besonders macht ist wohl ihre Geschichte, allen voran als „Das letzte Problem der Alpen“ und die Tragödien die sich in ihr abspielten. Trotzdem schien die Zeit für ein Besteigung schön langsam reif zu sein und als die Bedingungen in diesem Frühjahr exzellent waren, wurde aus dem Mythos Eigernordwand für mich die Heckmaier-Route plötzlich eine Kombination aus legendären Kletterstellen in einem der größten Abbrüche der Alpen: das perfekte alpinistische Ziel. Auf einmal sah ich, wenn ich Eigernordwand hörte, nicht mehr alte klobige Bergschuhe, die über grauen, abschüssigen, brüchigen Fels rutschen, Steinschlag und Hanfseile vor mir. Auf einmal sah ich wie ich Schritt für Schritt die Spinne hoch steige, meine Eisgeräte und Steigeisen in dieses Fleckchen Eis im Herzen der Wand bohre, wie ich meine vorderste Spitze der Steigeisen sachte auf eine Leiste im Wasserfallkamin stelle und einen Schritt höher Steige. Der Gedankengang der in meinem Kopf vor einer Klettertour abläuft ist sehr wichtig und sehr subjektiv. Die technischen Details einer Tour werden mit meinen eigenen Fähigkeiten verglichen. Dies erfolgt hauptsächlich auf Gefühlsbasis, nur wenn das Bauchgefühl stimmt kann ich mich überzeugen ein Problem anzugehen.

Am 21.04.2015 war es so weit, früh morgens brachen wir in Richtung Grindelwald auf. In der teuren Schweiz wurde unser armes Studentenkonto immer wieder überstrapaziert, nichts desto trotz kamen wir am Nachmittag an der Station Eigergletscher an und waren beeindruckt von der Wand, aber auch von all die Orte darunter. Wir biwakierten unterhalb eines Überhangs am Wandfuß. Da noch viele andere Seilschaften unterwegs waren, beschlossen wir sehr früh aufzubrechen und so mussten wir bereits um 1.00 Uhr nachts unsere Schlafsäcke verlassen.

Wir nahmen nicht viel mit: eine Thermoskanne, einen Gaskocher, zwei Daunenjacken, Schokolade und ein paar Riegel. Den ersten Wandteil überwanden wir seil frei bevor wir am Schwierigen Riss zu sichern begannen. Alex begann mit dem Vorstieg, mit Bravour stieg er den Schwierigen Riss und auch den legendären Hinterstoisserquergang in freier Kletterei vor. Über den gut vereisten Eisschlauch gelangten wir aufs erste Eisfeld wo die Seile erstmals wieder im Rucksack verstaut wurden. Langsam wurde es hell, was auch unsere Gemüter aufheiterte. Vor dem Bügeleisen seilten wir uns wieder an und kletterten einige Seillängen bis zur Rampe. Dort wurde gewechselt, ich erhielt den leichten Rucksack aber das scharfe Ende des Seils. Die Rampe bot eigentlich recht einfach Kletterei, doch der Wasserfallkamin verlangte einen Mix aus Fels und Eis, schönen Kletterei mit und ohne Eisgeräte. Über den gut vereisten Quarzriss und die ebenfalls gut vereisten Austiegsrisse gelangten wir auf das steile Gipfeleisfeld, wo die Seile wieder im Rucksack verschwanden. Der Grat war sehr ausgesetzt und jeder Schritt musste sitzen. Die letzten Meter zum Gipfel waren wohl einer dieser Momente die einem Bergsteiger Freude bereiten: Man sucht sich ein reizvolles Ziel, kann es bewältigen und ist froh und erleichtert es geschafft zu haben. Darüber hinaus empfindet man diese Gefühle an einem Ort wie dem Gipfel des Eigers, mit einem unglaublichen Naturspektakel um sich herum. Ich persönlich war einfach nur froh solche Momente erleben zu können.

Der Abstieg zog sich nochmal, doch nach zwei Stunden waren wir zurück an unserem Biwakplatz und kurz darauf sahen wir vom Zug aus nochmal in die Wand hinein, die wir jetzt mit völlig anderen Augen sahen.